Medien
Foto Hannes Wader

Mittwoch, 17. März 2010, 10–12 Uhr SWR 1 (Hörfunk) "Leute"
mit Hannes Wader und Konstantin Wecker


Interview mit Hannes Wader im März 2007 bei ZEIT online


Badische Zeitung, 17.11.06:
Geschichte(n) von unten betrachtet

Hannes Wader, einst eine Ikone linker Gesinnung, zeigt im Burghof Lörrach einmal mehr seine vielen künstlerischen Gesichter

"Hannes, Hannes" ruft es vereinzelt von Rängen bevor er überhaupt auf der Burghof-Bühne steht. Hannes Wader hat seine Fans und die offenbar klare Vorstellungen, worauf "ihr" Hannes jeweils hinauswill. So weckt schon das Wort Busch aus Waders Mund scheinbar Assoziationen an den amtierenden US-amerikanischen Präsidenten – wie ein einsamer, (vor)lauter Lacher signalisiert. Dabei geht es tatsächlich um eine empfindsame, fast mystische Naturbetrachtung, eine Liebeserklärung an den "größten Weißdornbusch", den er kenne. Aber, Wader hat eben seinen Ruf weg, eine Ikone linker Gesinnung, ein ewiger Mahner aus dem Holz der 1970er- und '80er Jahre, diesen bleiernen Zeiten, in denen Politiker wie Franz-Josef Strauß (CSU) kritische Geister noch als "Schmeißfliegen" diffamierten.

Auch Wader war eine solche Reizfigur, wurde nicht zuletzt in Folge seiner langjährigen Mitgliedschaft in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) vom Verfassungsschutz überwacht und hat manches bittere Lied über das gesellschaftliche Klima damals verfasst. Kann einer mit dieser Biografie bei "Busch" auf etwas anderes anspielen als das neue Feindbild kritischen Denkens, den neokonservativen Georg W. Bush? Er kann. Der inzwischen 64-Jährige, der selbst nicht versteht, warum das Image eines Hardcore-Politbarden so hartnäckig an ihm klebt, hat viele künstlerische Gesichter – empfindsamer Poet und energischer Protestler gegen Krieg und Nationalismus, lyrischer Träumer und lebensfroher Taugenichts, hoffnungsloser Romantiker und hoffnungsvoller Rebell und er lässt sie alle aufblitzen vor den rund 650 Besuchern.

Sicher schwingt in vielen Liedern die Sympathie mit für die kleinen Leute, die Ohnmächtigen, die Objekt und nicht gestaltendes Subjekt ihrer Geschichte sind und Opfer – vom tristen Alltag des zwangsrekrutierten preußischen Grenadiers des 18. Jahrhunderts bis zur Wut darüber, dass die "größten Halunken und Schweine" wie der spanische Diktator Franco oder Chiles Augusto Pinochet, das Glück haben steinalt zu werden. Wader erzählt er Geschichte(n) von unten – wie seit 40 Jahren und wie immer mit Problemen beim Stimmen seiner Gitarren. Und vor allem am Schluss lodert in Stücken wie der 2004 verfassten "Stellungnahme" , einer Abrechnung mit dem Neonazismus, oder dem zur Kritik am Neoliberalismus umgetexteten "Trotz Alledem" der kritische, politisierte Geist wie eh und je .

Davor aber zeigt der in Friesland heimisch gewordene Westfale, der es in Südbaden nicht lassen mag, wenigstens eine Zugabe in Plattdeutsch zu singen, andere Seiten, verbindet Sozialkritik mit Selbstreflexion, Ironie mit Introspektion, Privates mit Politischem, ist differenziert und tastend. Als sensibler Beobachter erzählt er im "Hotel zur langen Dämmerung" von denen, die Welt nicht auf die Reihe kriegen, "die viel sehen, aber wenig verstehen", schwelgt mal sentimental in Erinnerungen wie in der "Ode an den hölzernen Brunnen", ist mal angefressen von der Endlichkeit des Seins, aber immer authentisch und klar. Wader ist ein Querkopf geblieben, einer, der sich das Denken nicht abkaufen lässt, ein Skeptiker, der am Traum einer gerechteren Gesellschaft festhält, ein Widerspenstiger, der sich vom Mainstream nicht zähmen lässt.

Bei seinem Gastspiel im Burghof '03 vermisste die Kritikerin "Heute hier, morgen dort" , diese beschwingte Hymne an die Vergänglichkeit. Diesen Wunsch hat er nun – bewusst oder unbewusst – zu Beginn des Konzerts eingelöst. Sollte er einst wieder nach Lörrach kommen steht nun das "Familienerbe" ganz auf der Setlist, ein wahrhaft ergreifender und in der CD-Version immerhin 16-minütiger an der eigenen Familiengeschichte aufgehängter Streifzug durch die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von 1878 bis 1946.

Michael Baas


n-tv, 6.11.2006

Lieder kleiner Leute
Neues von Hannes Wader

"Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing’". Es gibt nur wenige, die das zugeben. Hannes Wader ist so einer. Er äße nun einmal das Brot der kleinen Leute, also sänge er auch ihr Lied, bekennt Hannes Wader auf seiner neuen CD. Ehrlich bis auf die Knochen, dieser Mann, der sich auch im siebten Lebensjahrzehnt noch als "Folkie" sieht und neben Franz-Josef Degenhardt und Dieter Süverkrüp einst Teil des Triumvirats des deutschen politischen Liedes war.

Nicht zuletzt bei seinem gemeinsamen Auftritt mit Reinhard Mey und Konstantin Wecker bei der Berliner Antikriegsdemonstration 2003 hatte sich Wader vor einer halben Million Teilnehmer wieder als Politbarde in Erinnerung gebracht. Nun also ein neues Werk.

Keine Interpretationen von Liedern Anderer, kein Übertragen, kein Vertonen. Wader macht wieder das, was er am besten kann. Selbst schreiben, komponieren und singen. Gitarre spielen kann er übrigens auch sehr gut, wie, zum Beispiel, der "Blues in F" auf der CD beweist.

Die Scheibe ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit sich selbst. Wader berichtet singend, dass Freunde ihm gesagt hätten, es wär’ doch endlich mal wieder Zeit für so ein politisches Lied. Und er macht eines, wohl nicht nur, weil ihm so ist, sondern weil er wohl eingesehen hat, dass die Zeiten wieder so sind. Er ist bissig, will Sand ins Getriebe des Systems streuen und sich an den Knirschgeräuschen erfreuen. Eine Art Soundtrack für die Kritik an Massenarmut und – arbeitslosigkeit.

Bewegend ist seine und die Geschichte seiner Familie, die im Mittelpunkt der LP steht: Die Qualen des kleinen Hannes angesichts des Bauern, der sein Pferd totschlägt. Ein Lied, das kongenial an die brecht-eislersche Ballade über das anklagende Pferd auf Berlins Frankfurter Allee anknüpft und in seiner Menschlichkeit der Interpretation eines Ernst Busch in nichts nachsteht. Die Erinnerung an den Spaziergang mit dem Vater, der aus dem Krieg heimkehrt und später verhindert, dass ein Nazipolizist nach 1945 wieder in Amt und Würden gelangt. Das Lied über den SS-Mann, der einen Nachbarsjungen zum Krüppel schlägt. Da ist der Song vom sozialdemokratischen Urahn und dessen Familie, die Bismarcks Sozialistengesetze ins Elend stürzen, dann sozialdemokratische Großvater, der 1936 einem Parteifreund begegnet, dem früheren preußischen und Reichsinnenminister Carl Severing, der wie die Waders aus Westfalen stammt.

Wader ist ein begnadeter Erzählsänger, und eigentlich hätte der Stoff gut gereicht für ein Konzeptalbum über anderthalb Jahrhunderte deutscher Geschichte.

Wader kann bei aller Nachdenklichkeit auch alltäglich sein, wie im Song übers Boulespielen. Es macht einfach Spaß zu hören, wie Heinz mit Uschi meckert, weil die angeblich nicht gut spielt, und wie Hannes, der Horst zeigen will, was 'ne Harke ist, am Ende doch verliert. Ein paar schräge Bilder sind dabei. So kennt Wader zwar Bismarck und Willy Brandt als Boulespieler noch persönlich, aber der Boulefan Konrad Adenauer, der war vor seiner Zeit. Wie jeht dat?

Fazit: Der Mittsechziger singt, wie er in der Ode an den hölzernen Brunnen resümiert, die alten Lieder nun schon so manches Jahr. Und doch sind seine Songs immer wieder verdammt neu. Und verdammt gut für die Verdammten dieser Erde, deren Brot er isst und deren Lied er singt. Jetzt müssen se nur noch uffwachen.

Von Manfred Bleskin


Interview

Hannes Wader im Gespräch mit Ralf Krämer für die Zeitschrift ALERT, Januar 2004


Presse

" ...ein Künstler, der wie wenige sonst in Deutschland auch heute noch einen Standpunkt hat. Und mehr Zugkraft, als sich mancher gedacht hätte."
(Leipziger Volkszeitung)

"Kein anderer Sänger deutscher Zunge hat je Sentiment und zynischen Witz so in einer Brust vereint wie Hannes Wader... So ist er nun mal, kaum nachvollziehbar gespalten, aber immer glaubwürdig. Sein Publikum reicht sich mittlerweile durch alle Generationen die Hände."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

"Wader füllt immer noch ganz allein eine große Bühne aus. Seine Stimme hat immer noch den vollen, ganz eigentümlichen Klang. Wader kann immer noch exzellent Gitarre spielen - und seine Worte haben immer noch Widerhaken. ... Mehrere Zugaben bekam das emotional mitgehende und erstaunlich altersgemischte Publikum von sieben bis siebzig."
(Thüringer Allgemeine)

"...in allem schillert eine grandiose Spannung zwischen Erinnerung, Liebe, Zuversicht und Zorn. ... Was soll man sagen über eine Stimme, die eben noch unverbindlich daherparliert, um sich dann in Ausdruck, Timbre und Führung zu eindrücklicher Größe aufzuschwingen, zu einem Fingerpicking, das immer noch und immer wieder viele, die mehr von ihrer Gitarrenkunst halten, blaß werden läßt. Beides ist Institution wie die großen alten Lieder."
(Pforzheimer Zeitung)


Die Presse über die gemeinsamen Konzerte von
Hannes Wader und Konstantin Wecker






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