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Danuta Görnandt Persönliche Empfehlung "Lied Dezember 2009": "Agit-Prop 08" |
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Manfred Maurenbrecher über "Spliff und Puls und all die anderen" |
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Doch der König dieser prächtigen Prinzen ist Maurenbrecher. Der mahnende Sprechgesang des Altmeisters ist (immer noch) von solch zärtlichem Ungestüm, von solcher wütender Traurigkeit, dass es ganz still wird, wenn er mit leisem Anschlag die Tasten streichelt. Der tosende Applaus danach ist verdient. Der Sänger Manfred Maurenbrecher war auch da. Ich verehre diesen Mann. Er sagte, dass er sich an den Schreibtisch setzt und sagt: »So, über die erste Sache, die ich sehe, wenn ich aus dem Fenster kucke, schreibe ich jetzt ein Lied. « Er sah einen alten Mann mit Fahrrad. Das Lied war schön. Aber einige Leute pfiffen. Unprätentiös und versponnen, musikalisch von bewundernswerter Schlichtheit, die ihm hierzulande keiner nachmacht. Schön, dass es diesen Maurenbrecher gibt. Ohne ihn würde etwas fehlen, vielleicht sogar eine Spezies aussterben.
Dass er eines Tages dahin kommen wolle, mit keinem festgefügten Programm mehr aufzutreten, sagt Manfred Maurenbrecher, über einen altgedient verschrammten Flügel im Laboratorium gebeugt. Nur noch hier ein Vers, dort ein Refrain, ab und zu eine kleine Geschichte, kurzum: eine große Masse an Erlebtem, auf Zettel geschrieben und dem Publikum vorgelegt. Nichts, aber auch gar nichts davon solle auswendig gelernt sein. Sagt"s und hebt an zu seinem "Lied beim Singen entstanden": "Nie ein Zögern vor dem nächsten Moment, keine Angst vorm Misslingen, wie ein Springer, der die Höhe nicht kennt, so entsteht ein Lied beim Singen. Man sagt, nichts auf der Welt sei so frei und heiß, nichts könne tiefer eindringen als ein Gesang, der sein Ende noch nicht weiß und entsteht beim Singen." Und wieder ist Manfred Maurenbrecher einer, der ein Spiel der Fantasie mit sich und dem Publikum anfängt, der wortwitzig mit der Wirklichkeit experimentiert, um sie neu zusammenzusetzen zu Liedern, Texten und Fragmenten, die er eben nicht gerade erst erfunden hat. Ob die Reise auf den Flügeln des Pegasus hinauf in die lichten Lüfte der Poesie geht? Lauter Tauchgänge sind"s, die er unternimmt, mit einem arg verschrammten Flügel und einer herb raspelnden Stimme, hinunter ins Paradoxe, Groteske, Tragische, Komische und Wunderbare des Alltags. Wer sich darauf einlässt, der spürt eine traumhafte Leichtigkeit und kommt aus dem Staunen über diesen Spieler auf der Bühne nicht mehr heraus. Vor gut zwanzig Jahren, als die deutschsprachige Rockmusik zum ersten Mal blühte, da schleuste ihn ein gewisser Herwig Mitteregger in den Kreis der damals Etablierten ein. Es folgten Songtexte für Spliff, Ulla Meinecke, Herman van Veen und andere, Rundfunkfeatures und die Rolle als bebrilltes Fassbinder-Double, das zu gut für den Erfolg bei den Massen ist. Und heute? Heute ist Manfred Maurenbrecher mit 52 Jahren immer noch kein Popstar und sieht auch nicht so aus: Tritt in den Klubs statt in den Hallen auf, breitet dort lauter Perlen aus, die nur für den so richtig funkeln, der sich auf sie einlässt. Widmet Berlin sein Heimatlied "Sex auf Baustellen", singt mit "Kleine Forscher" ein Lied, das durch die Augen seines Sohnes blickt, mit "Geiles Teil" eines, in dem ein alter Ehegatte Bilanz abgekühlter Leidenschaften zieht, blickt überhaupt durch tausend Augen, wirbelt zwei Stunden lang mit seiner Vorstellungskraft und spielt ein Spiel weiter, das von seinem Ende noch nichts wissen will. Fabelhaft. (Von Ulrich Bauer, Stuttgarter Zeitung 7.10.02) |
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"Wer Ausschau nach einem wie Maurenbrecher hält, muss weit in die Ferne sehen können. Irgendwo in Amerika sieht man sie sitzen über den Tasten der Klaviere: Randy Newman, Billy Joel, Tom Waits. In ihrem Bunde könnte man sich Maurenbrecher ohne weiteres als vierten vorstellen. "Maurenbrecher ist kein Künstler, der an der Oberfläche Schaum schlägt. Maurenbrecher ist das Tentakel aus der Unterwelt des Scharfsinns, wo jeder Satz, jedes Komma und jedes Innehalten beim Vortrag für Wirkung bürgt. "Maurenbrechers Songs gewinnen eine eigentümliche Schärfe, wo sie sich im Fragmentarischen verstricken und die glückliche Lösung des Rätsels - das runde Ende - als das hoffnungslos Unwahre denunzieren. "Maurenbrecher hat für alles ein Lied, über die Liebe und das Leid, die Gesellschaft und den einzelnen, die grosse Politik und die kleinen Fluchten, gute Ideen und schlechte Gewohnheiten. Doch kaum ist das Lied verklungen (
), "Deutschland bester singender Pianist
., mal zärtlich, mal bissig, auch melancholisch oder komisch, dabei immer intensiv und leidenschaftlich - Maurenbrecher ist der deutsche Songpoet. |
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'Weisse Glut' - 64 Minuten Musik mit viel Text, manchmal der Sound und Groove einer Band, manchmal allein am Klavier, verschiedenste Themen wieso weisse Glut? Wenn ein Feuer ganz heiß wird, die Grillwürste finden es schon unerträglich oder: "Du reizt mich zur Weissglut"... Als ich mit Freunden zusammen saß, wir dachten über einen Titel nach, es kamen Ideen wie "Liebesglut", "Weisser Sommer", "Das Leben danach", da sagte ich: 'Weisse Glut'. Wahrscheinlich waren nur alle erleichtert. Rotwein war auch mit im Spiel. Aber der Titel stimmte sofort für mich. 16 Stücke, der Anfang wie der Beginn eines gutgelaunten Rockkonzerts, später wird's leiser, wird mehr erzählt, am Ende legt die Band wieder zu: Ist diese CD das Ergebnis jahrelanger Tüftelei? Ein fast 5Ojähriger will es nochmal allen zeigen? Ich hab wenig Zeit für mein Alter. Ich trete jeden Mittwoch in einem übervollen Club am Prenzlauer Berg auf mit zwei Kollegen, und jeden Monat geben wir uns ein neues Thema, damit es nicht langweilig wird. Das heißt, ich muß zwei Titel monatlich schreiben: Einen für mich allein, einen für uns drei. Etwa die Hälfte der Stücke taugt etwas. Und fast alle Lieder auf dieser CD sind so entstanden, also in den letzten zwei Jahren, auf der Bühne erprobt, und für ein Publikum, das ziemlich jung ist. Keine Chance zu heucheln. Wer oder was ist 'Puls'? Eine Rockband, die hoch hinaus will. Haben ihr eigenes Repertoire, ihre Charts-Träume. Irgendwann nahmen sie Kontakt mit mir auf, weil sie ein uraltes Lied von mir im Programm hatten. Meine Geschichte geht soweit zurück, daß die erwachsenen Musiker von heute damals einfach nur Fans waren, schnelle Jungs, die Spliff mochten, Nina Hagen oder auch mich. Wir sind dann ein paarmal zusammen aufgetreten und fanden uns toll. Die erste Band, die ich nicht überschreien mußte. Und so wurde allmählich das Konzept für die CD 'Weisse Glut' angedacht? Nein, wir haben nur Probeaufnahmen gemacht, im Übungsraum von Puls. Das heißt: Alle in einem Zimmer, kein Monitor, keine Klimaanlage, keine Trennwände, jedes Mikro nimmt alles auf und als wir die Ergebnisse hörten, klang das zwar ziemlich chaotisch, aber wir fanden: Das isses. Andreas Albrecht, der Schlagzeuger von Puls, hat dann die ganze Verantwortung abgekriegt: "Ich produzier das", hat er gerufen, und ich hab gesagt: "Unter einer Bedingung meine Stimme muß immer lauter sein als der Rest!" Hat er das nicht wunderbar hingekriegt? Hat er gut gemeistert. Herr Maurenbrecher, sind Sie ein Liedermacher!? Ja. Ich liebe Musik, die Gefühle reizt. Ich liebe Stimmen, die in die Musik eintauchen und mir somit ihre Geschichten erzählen. Ich liebe es besonders, wenn jemand einen Plan hat mit dem, was er mir erzählt. Eine Klarheit, keinen Wust von Plattitüden. Ich verachte singende Schauspieler, für die der Endbeifall die Zielgerade ist, auf der sie ihre Clichees plazieren. Daß 'Liedermacher' bei uns zum Schimpfwort geworden ist, verdanken wir schlechten Handwerkern und einem Pulk von Journalisten, die sich selbst verachten. Ich mach einfach gern, was ich mache. Irgendwelche Botschaften? Jede Menge - aber bitte: Das Spiel selber spielen, also die CD selber hören, dann kann sich jeder doch seine Botschaft rausfiltern. Wenn es gut gelungen ist, irrt keiner so ganz ab. Auf dieser CD wird häufig sinnlos gelacht, jede Menge Leute gehn hopps, zwei lieben sich immer weiter, und ein paar Personen wird wirklich mit Ehrfucht begegnet... Dem kleinen Forscher? Ja, das ist so eine Gestalt. Ein Kind, das in die Neugier aufbricht. Den jungen Müttern? Helden im Alltags-Verkehr. Immer wenn's für die einen nach Tod und Fäulnis riecht, fängt sofort neues Leben an - auch schon mit Fäulnis behaftet natürlich... Sie seh'n nicht nur aus wie R.W. Faßbinder, Sie reden auch so... Also Schluß der Debatte. Ich bin nicht 'Blumfeld', ich muß keine Theorie dazuliefern für das, was ich mache. Es wirkt oder wirkt nicht. 'Weisse Glut', seit diese CD fertig ist, hat sie mir 'ne Menge von meinem eigenen Leben erklärt. Ich übertrag das jetzt mal und rufe ganz einfach: Herzlich willkommen! |
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